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22.03.2011 Kategorie: Markus-Gemeinde

"Kernenergienutzung war Fehler"

EKD-Ratsvorsitzender kritisiert Verdrängung des Restrisikos

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat den Einstieg in die Nutzung der Kernkraft als Fehler bezeichnet. Politiker und Ingenieure hätten die menschlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten überschätzt, sagte Schneider, der auch rheinischer Präses ist. Der braunschweigische evangelische Landesbischof Friedrich Weber forderte am Freitag angesichts der atomaren Katastrophe in Japan einen Ausstieg aus der Kernenergie zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Schneider sagte dem Radiosender NDR Info: "Das Restrisiko wurde einfach verdrängt." Er forderte eine "Energieerzeugung, die unsere natürlichen Lebensgrundlagen nicht zerstört und die nicht zu apokalyptischen Konsequenzen führt, wenn es Fehler gibt". Im Deutschlandradio Kultur sagte der Theologe: "Wir reichen mit der Atomkraft an kosmische Kräfte heran. Und die sind nicht unser Maß." Das Atomkraft-Moratorium der Bundesregierung bezeichnete Schneider als zu kurz. Drei Monate reichten nicht aus, um die Diskussion über die Zukunft der Atomkraft zu führen, fügte er hinzu. Landesbischof Weber sagte, die von der Bundesregierung betriebene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke habe den notwendigen Umbau der Energieversorgung behindert. Auf die religiöse Frage, wie Gott das Erdbeben und den Tsunami zulassen konnte, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Schneider im NDR, Gott habe die Welt und den Menschen erschaffen, aber er habe dem Menschen auch die Verantwortung für die Schöpfung zugetraut. "Und mit dieser Wahrnehmung der Verantwortung, da hapert's halt", sagte Schneider. Nach Ansicht konservativer Protestanten hingegen sollten die Katastrophen in Japan als ein "endzeitliches Zeichen Gottes" verstanden werden. Eine geistliche Deutung dieses apokalyptischen Szenarios könne die Menschen zur Besinnung und in eine neue Nachdenklichkeit führen, sagte Pastor Ulrich Rüß, Präsident der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, dem epd in Hamburg. In Japan gehe es nicht nur um das erklärbare Naturphänomen der Verschiebung von Erdplatten und das menschliche Versagen der Erbauer und Betreiber von Kernkraftwerken, sagte Rüß: "Diese Katastrophe ist ein apokalyptisches Zeichen im biblischen Sinn."
EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider

EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider

Landesbischof Friedrich Weber

Landesbischof Friedrich Weber

Pastor Ulrich Rüß

Pastor Ulrich Rüß