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22.01.2008 Kategorie: Markus-Gemeinde

Seelsorge im Wolfenbütteler Gefängnis

Pfarrer Christoph Kern hielt Vortrag auf Einladung des Fördervereins

Auf Einladung des Fördervereins Sankt Markus stellte Pfarrer Christoph Kern, seit 2004 Gefängnisseelsorger in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wolfenbüttel, sein besonderes Tätigkeitsfeld vor. In dieser Haftanstalt mit den Außenstellen in Königslutter und Goslar können bis zu 466 Straftäter inhaftiert werden.

Der Seelsorger beschreibt, dass sich die wenigsten Häftlinge zu Recht verurteilt fühlen. Die Aufgabe der Gefängnisseelsorge besteht hier auch darin, den Häftlingen über die Zeit in der JVA hinwegzuhelfen.


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Die etwa 20 Besucher des Vortrages diskutierten in diesem Zusammenhang engagiert die Resozialisierungsmöglichkeiten im Rahmen einer Gefängnisstrafe. Die Mehrzahl der Gefangenen kann allerdings durch die Strafe nicht von einer Wiederholung abgehalten werden: Der Theologe berichtete von Häftlingen, die er in den vier Jahren seiner Tätigkeit bereits mehrfach inhaftiert erlebt hat.

Der sonntägliche Gottesdienst besteht aus zwei Elementen. Zunächst wird für eine halbe Stunde ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert, anschließend bleibt man bei Gesprächen, Kaffee und Keksen zusammen. Dies ermöglicht zusätzlich zu den regelmäßigen Gruppenangeboten einen festen Gesprächsrahmen. Dieses Aufeinandertreffen der Gefangenen führt jedoch auch zu Handgreiflichkeiten.

Das Bildungsniveau der Häftlinge ist in der Regel extrem niedrig. Dem wird durch die JVA-eigene Schule begegnet, in der die Inhaftierten die Möglichkeit erhalten, über eine Externenprüfung den Hauptschulabschluss nachzuholen. Viele müssen jedoch zunächst an die schulische Lernsituation und die dafür erforderliche Konzentration herangeführt werden.

Darüber hinaus gibt es interne Arbeitsplätze, beispielsweise in der Bäckerei, Nähstube, im Bereich Feinoptik-Diaprojektoren, Buchbinderei und Gewächshaus, durch die einerseits die Möglichkeit besteht, etwas Geld zu verdienen, andererseits aber auch berufliche Qualifikationen erworben werden können. In der Freizeit stehen den Häftlingen Bildungs-, Kreativ- und Sportangebote zur Verfügung.

Ein Vorurteil stellte Christoph Kern in seinem Vortrag klar: Auf die Häftlinge, die wegen Mordes verurteilt wurden, ist der größte Verlass. Die Ursache liege darin, dass ein Mord in der Regel als Beziehungstat begangen wird, die Persönlichkeitsstruktur des mordenden Menschen jedoch intakt ist.

Neben Gottesdienst und Gruppenangeboten finden auf Antrag der Gefangenen auch Einzelgespräche mit ihrem Seelsorger statt.


Ungeahnte Verbindung zur Südstadt


Bereits seit zehn Jahren gibt es eine für die Häftlinge wesentliche Verbindung zwischen der JVA Wolfenbüttel und der Südstadt: Radio Rauch am Welfenplatz kontrolliert wöchentlich die Unterhaltungselektronik (Fernseher, Radio, CD-Player, MP3-Player) der Häftlinge. Der Hintergrund: Gefangene erhalten ein Gerät erst, nachdem es entweder unmittelbar bei dem Rundfunkgeräte-Fachgeschäft gekauft und dort sofort eingeschweißt wurde oder nachdem eine eingehende Kontrolle des Gerätes durch Fachpersonal des Unternehmens erfolgt ist. Mit dieser Vorgehensweise soll verhindert werden, dass unerlaubt Drogen, Waffen u.ä. eingeschmuggelt wird. Um die Qualität des hohen Sicherheitsstandards zu gewährleisten, wird die Arbeit des Betriebes regelmäßig durch die Justiz geprüft.

Die zahlreichen Rückfragen der Zuhörerschaft machte deutlich, dass Vortrag und Thema auf sehr reges Interesse gestoßen sind, so dass sich Eberhard Sieber im Anschluss im Namen des Fördervereins für den kurzweiligen und informativen Vortrag bei Christoph Kern bedankte.
Gefängnispfarrer Kern referiert

Gefängnispfarrer Christoph Kern

Besucher des Vortrags

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Logo des Fördervereins

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