Suche

Nachricht

07.06.2012 Kategorie: Markus-Gemeinde, Markus-Diakonie

Ausstellung dokumentiert letzte Tage einiger Gäste im Hospiz Braunschweig

Psychologin: Tod und Sterben werden aus Alltag gedrängt

Tod und Sterben werden nach Ansicht der Entwicklungspsychologin Professorin Meike Watzlawik gegenwärtig immer mehr aus dem Alltag der Menschen herausgedrängt. „In einer auf Jugendlichkeit und Leistungsfähigkeit ausgerichteten Gesellschaft, in der man nicht altern darf, ist auch der Tod ein Tabu", sagte die Wissenschaftlerin der Universität Osnabrück am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Watzlawik hat gemeinsam mit Studenten eine Ausstellung entwickelt, die von diesem Donnerstag an bis zum 21. Juli in der Osnabrücker Universitätsbibliothek zu sehen ist. Diese dokumentiert in Fotos und Zitaten die letzten Tage einiger Gäste im Hospiz Braunschweig. Sterbende und ihre Angehörigen setzten sich oft erst unmittelbar vor dem Tod mit dem Thema auseinander und hätten dann mit großen Ängsten und Unsicherheiten zu kämpfen, erläuterte Watzlawik. Das Sterben sei nicht mehr rituell eingebunden in das Familienleben. Die Großfamilie, in der Krankheit, Altern und Sterben aufgefangen werden könnten, sei ein Auslaufmodell. Auch Kinder lernten nicht mehr ganz selbstverständlich, dass das Leben endlich sei. Deshalb komme den Hospizen auch die Aufgabe zu, diese Lücke zu schließen. Sie habe gemeinsam mit einer Gruppe Studenten die Menschen im Hospiz nach ihrem Lebensweg und den Gedanken zu Sterben und Tod befragt, erläuterte die Psychologin. Vielen habe der Schritt ins Hospiz Angst gemacht. „Sie schreckten davor zurück, die Endgültigkeit zu akzeptieren.“ Dann seien sie jedoch positiv überrascht gewesen von der wohnlichen, offenen Atmosphäre und der liebevollen Begleitung durch die Hospiz-Mitarbeiter: „Sie waren erleichtert, dort endlich offen über den Tod und ihre Ängste sprechen zu können.“ Manche hätten die letzten Tage zwar lieber zu Hause verbracht, betrachteten das Hospiz aber als eine gute Alternative, die auf jeden Fall besser sei als ein Krankenhaus. Nach Ansicht der Expertin wird die Nachfrage nach Hospizen in Zukunft enorm ansteigen. Die Ausstellung soll in den nächsten Monaten an unterschiedlichen Orten gezeigt werden, etwa in einer Kirche oder einer Bank.
Meike Watzlawik

Meike Watzlawik