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07.06.2026 Kategorie: Markus-Gemeinde

Zwischen dem, was war und dem, was kommen wird

Über die Strukturreform der Kirche und ihre Bedeutung

Liebe Leser_innen,, es ist Ihnen und euch sicher nicht entgangen: Unsere Kirchengemeinde St. Markus steht vor Veränderungen. Vertrautes wandelt sich, manches ist schon zu Ende gegangen. Die Auswirkungen der Strukturreform der Landeskirche erreichen uns – und viele spüren: Eine prägende Zeit geht zu Ende. Das tut weh, und das darf es auch. Denn wir verabschieden uns von dem, was uns getragen hat und dahinter stehen all die Menschen, Erinnerungen und gemeinsame Wege, die ihr viele Jahre miteinander gegangen seid. Mein besonderer Dank gilt allen, die sich mit Herz und Zeit eingebracht haben. Gleichzeitig wird deutlich: Ein „Weiter so“ ist nicht möglich – und auch Abwarten keine Lösung.

Die Zeichen der Zeit laden uns ein, neu zu fragen: Was braucht es jetzt, was ist möglich? Dabei wird deutlich: Die Rahmenbedingungen kirchlicher Arbeit verändern sich – personell, strukturell und finanziell. Pfarrstellen werden größer, Zuständigkeiten weiter, Wege länger. Eine Pfarrperson kann nicht mehr so präsent sein wie früher. Während im Braunschweiger Konvent einst rund 50 Pfarrpersonen tätig waren, sind es heute nur noch gut 20. Oft wird zunächst der Verlust des Vertrauten wahrgenommen – das ist verständlich. Zugleich gilt: Diese Veränderungen liegen nicht am fehlenden Einsatz Einzelner, sondern an gewandelten Strukturen, die uns alle betreffen.

Erste Schritte sind bereits sichtbar: Der neue Gottesdienstplan mag wie eine Reduktion wirken – und das stimmt. Zugleich sichert er, dass der sonntägliche Gottesdienst auch künftig verlässlich gefeiert werden kann. Seine Stärke liegt im Tragfähigen. Auch der neue Gemeindebrief steht für Aufbruch: Mehrere Gemeinden haben sich zusammengeschlossen, ein neues Format ist entstanden. Vieles ist ungewohnt – und zeigt doch: Es geht weiter. Manchmal wird besonders deutlich, wie Abschied und Neubeginn zusammengehören: Ein langjähriger Chor hat sich im vergangenen Jahr aufgelöst – ein schmerzlicher Verlust. Und doch ist danach ein neuer, lebendiger Chor entstanden, der auch jüngere Menschen anspricht. Diese Erfahrung macht deutlich: Neues entsteht oft dort, wo etwas endet – und Raum frei wird.

Vielleicht ist das die größte Herausforderung: zu erkennen, was uns trägt – und zugleich Raum zu öffnen für das, was wachsen will. Wofür soll St. Markus künftig stehen? Wenn Kräfte sich bündeln, kann ein klares, tragfähiges Profil entstehen, das Orientierung gibt und Zukunft gestaltet.

Schließ für einen Moment die Augen und stell dir diesen Ort vor: Die Tür von St. Markus steht offen. Ein warmer Klang fließt nach draußen, erst leise, dann voller. Du bleibst stehen, lauschst – und wirst hineingezogen. Drinnen erfüllt Musik den Raum, lebendig und nah. Stimmen klingen zusammen, jemand probt, und daraus entsteht ein Miteinander, das trägt. Du gehst weiter hinein, setzt dich, hörst zu. Menschen kommen und gehen, verweilen, lassen sich berühren. Immer wieder sind Musikerinnen da, die den Raum mit Leben füllen. Klänge wachsen, Begegnungen entstehen, kleine Konzerte laden ein. St. Markus wird zu einem Ort, der klingt, der verbindet, der Menschen zusammenführt. Ein musikalisches Profil für St. Markus – eine Idee, eine mögliche Zukunft.

Vielleicht ist das ein Vorgeschmack auf das, was vor uns liegt: eine Zukunft, die wir jetzt gemeinsam gestalten können – für uns, für unsere Gemeinde und für die, die nach uns kommen. Für unsere Kinder und Enkelkinder, die hier einen lebendigen, tragenden und einladenden Ort erleben sollen. Ich sehe viele, die bereit sind, diesen Weg mitzugehen, Ideen einzubringen und mit Herz und Kraft mitzugestalten. Und ich gehe diesen Weg an Ihrer und eurer Seite – Schritt für Schritt, im Vertrauen darauf, dass aus unserem gemeinsamen Handeln etwas Gutes wächst und eine Zukunft entsteht, die trägt und weiterwirkt.

Ihre/eure Pfarrerin Sabrina Räke

Foto von Frau Lüer

Beitrag von Pfarrerin Sabrina Räke