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05.07.2026 Kategorie: Markus-Gemeinde, Mascherode-Gemeinde

Sommerpause

Über die Bedeutung von Urlaub

Sommerpause. Vereinspause. Sitzungspause. Spielpause. Manches schließt für einige Wochen seine Türen, Termine werden seltener, Kalender lichter. Und viele von uns verbinden diese Zeit mit einem anderen großen Wort: Urlaub.

Interessant ist eigentlich, welchen Stellenwert Urlaub in unserer Gesellschaft bekommen hat. Kaum etwas wird so sorgfältig geplant. Wochenlang wird darauf hingearbeitet, Monate vorher gebucht, Tage gezählt. Manchmal scheint das ganze Jahr auf diese wenigen Wochen hinzusteuern.

Warum eigentlich? Vielleicht, weil wir spüren, dass wir nicht dafür geschaffen sind, immer weiterzumachen. Unser Leben kennt einen Rhythmus. Ein- und Ausatmen. Wachen und Schlafen. Ebbe und Flut. Sommer und Winter. Schon die Schöpfungsgeschichte erzählt davon, dass selbst Gott am siebten Tag ruhte. Nicht, weil Gott erschöpft gewesen wäre. Sondern weil zum guten Leben nicht nur das Tun gehört, sondern auch das Lassen.

Eine Pause ist deshalb weit mehr als eine Unterbrechung. Sie ist ein eigener Lebensraum.

Wir wissen längst: unser Gehirn kann Erlebtes erst in Ruhe verarbeiten. Kreative Gedanken entstehen oft gerade dann, wenn wir einmal nicht funktionieren müssen. Beziehungen brauchen Zeiten ohne Leistungsdruck. Und unser Körper erinnert uns manchmal schmerzhaft daran, dass er keine Maschine ist.

Was verändert sich, wenn ich für eine Weile aus meinem Alltag heraustrete?

Denn sobald wir unser gewohntes System verlassen, verändert sich vieles. Die Rollen werden neu verteilt. Die ständige Erreichbarkeit fällt weg. Gewohnheiten geraten ins Wanken. Manchmal merken wir erst dann, wie sehr wir im Alltag nur noch funktionieren.

Wer bin ich, wenn ich einmal nichts leisten muss?

Für manche ist genau das gar nicht so leicht auszuhalten.

Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt unsere Zeit als eine Gesellschaft der ständigen Beschleunigung. Immer schneller, immer mehr, immer erreichbar. Vielleicht sehnen wir uns deshalb so sehr nach Urlaub, weil wir hoffen, dort endlich wieder bei uns selbst anzukommen.

Und doch kennen viele eine andere Erfahrung. Der Urlaub beginnt – und plötzlich werden wir krank. Oder wir streiten mehr als sonst. Die Erholung stellt sich nicht ein. Nach zwei Wochen kehren wir fast genauso erschöpft zurück, wie wir losgefahren sind.

Im Buch Ferienmüde wird genau dieses Phänomen beschrieben. Die Hoffnung, dass allein der Ortswechsel uns verändert, erfüllt sich oft nicht. Denn wir nehmen uns selbst mit. Unsere Erwartungen. Unsere ungelösten Konflikte. Unsere Rastlosigkeit. Wer im Alltag nie innehält, kann das im Urlaub nicht einfach auf Knopfdruck.

Vielleicht ist das eigentliche Geschenk einer Pause deshalb gar nicht, dass alles sofort besser wird. Sondern dass wir wieder beginnen, hinzuhören. Wie geht es mir eigentlich? Wonach sehne ich mich wirklich? Was darf ich loslassen? Was möchte in meinem Leben wachsen? Und wo wartet Gott vielleicht schon längst auf mich – nicht erst am Urlaubsort, sondern mitten in meinem Leben?

Jesus sagt einmal zu seinen Jüngerinnen und Jüngern:

"Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus." (Markus 6,31)

Bemerkenswert ist dieses kleine Wort: ein wenig. Jesus verspricht keine perfekte Auszeit. Kein Leben ohne Belastungen. Aber er schenkt einen Raum zum Atemholen. Einen Ort, an dem Menschen wieder Mensch sein dürfen.

Auch wir gehen in diesem Sommer einen etwas anderen Weg.

Statt vieler einzelner Gottesdienste feiern wir als Gemeinden gemeinsam – sonntags an wechselnden Orten im Süden. Auch das ist eine Form von Sommerpause. Nicht im Sinne von "weniger Kirche", sondern vielleicht sogar von "mehr Begegnung". Wir verlassen für einige Wochen unsere gewohnten Wege, lernen andere Kirchen kennen, begegnen neuen Gesichtern und entdecken vielleicht, wie groß die Gemeinschaft ist, zu der wir gehören.

Vielleicht ist genau das das Wesen einer guten Pause: Nicht einfach nur nichts tun. Sondern anders leben. Anders sehen. Anders hören. Und Gott dabei neu entdecken.

Ich wünsche Ihnen einen Sommer, in dem Sie nicht nur freie Tage erleben, sondern wirkliche Ruhe finden. Einen Sommer, in dem nicht jede Erwartung erfüllt werden muss, sondern in dem Sie sich selbst wieder begegnen dürfen.

Und vielleicht entdecken Sie dabei, dass Gott keine Sommerpause macht. Er geht mit – ans Meer, in die Berge, in den Garten, auf den Balkon und auch in unsere gemeinsamen Sommergottesdienste.

Eine zuversichtliche und gesegnete Sommerzeit wünsche ich Ihnen und euch allen und bis ganz bald! Eure Pfarrerin Sabrina Räke

Beitrag von Pfarrerin Sabrina Räke